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Apps von Pharmaunternehmen und Versicherungen

Susanne Wechsler Geschäftsführerin

Die Zielsetzungen warum Versicherungen und Pharmaunternehmen jetzt vermehrt Apps unter ihrem Namen herausbringen sind breit gefächert. Während allerdings in Ländern wie USA und Korea marketing- und kostenseitige Ziele, die direkt mit der Unternehmensstrategie verbunden sind, im Vordergrund stehen, scheint in Deutschland der Selbstzweck, überhaupt eine eigene App zu haben, und gegebenenfalls die Fäden selbst in der Hand zu halten, der allerwichtigste Grund zu sein. Um die Frage zum Interesse der Firmen an Daten vorweg zu nehmen: individuelle Nutzerdaten zu sammeln spielt unserer Erfahrung nach eine nachrangige Rolle, aggregierte, anonyme Daten könnten zukünftig für statistische Präventionsmodelle interessant sein.

Unser Unternehmen Noom Inc. und die europäische Tochter Noom Europe GmbH entwickeln seit knapp 10 Jahren sowohl Apps für Endnutzer, als auch eine white label fähige App namens Noom Health, die wir an Pharmaunternehmen und Versicherungen lizensieren. Unsere erfolgreichste B2C App, die wir direkt im Playstore und Appstore anbieten, heißt Noom und wurde weltweit über 15 Millionen Mal herunter geladen, ein großer Anteil entfällt auf die deutschsprachige Version. Entsprechend ist unser Unternehmen im Playstore weltweit gut sichtbar und auch im B2B Bereich bekannt. Beide Apps helfen den Nutzern, ihre Gewohnheiten zu ändern und dauerhaft Körpergewicht zu reduzieren. Die Hauptbestandteile sind ein Tagebuch zur Erhöhung des Bewusstseins für Ernährung und Bewegung, ein Schulungs-Programm mit Inhalten zu gesundem Lebensstil und eine Community. Noom Health funktioniert ähnlich wie Noom, hat aber eine direktere Ausrichtung auf die Prävention von Krankheiten wie Diabetes, Herzkrankheiten und Adipositas.

In Korea arbeiten wir z.B. mit einer Lebensversicherung zusammen, die durch das Angebot unserer Software neue Mitglieder gewinnen möchte, und die sich ausgerechnet hat, dass diese durch Noom bessere Gesundheit erlangen und länger leben (einzahlen). In den USA möchte ein Pharmakonzern durch Noom schon vor der Medikation potentielle Kunden ansprechen, binden, einen zusätzlichen Service bieten (beyond the pill), und sich von anderen Anbietern unterscheiden. Krankenversicherungen rechnen mit niedrigeren Kosten z.B. durch weniger Folgeerkrankungen von Diabetes.

In Deutschland sind Partnerschaften zwischen App-Herstellern mit Pharma als auch Versicherungen eher selten, und das fällt im internationalen Vergleich nicht nur uns bei Noom auf. Anstatt mit einem erfahrenen Anbieter einer schon konzipierten und optimierten Software zusammen zu arbeiten, entscheiden sich hier viele Unternehmen nach direktem Vergleich der Anbieter dafür, selbst ein digitales Produkt herauszubringen, meist in Zusammenarbeit mit einer Agentur. Die Kollegen von smartpatient betreiben mit MyTherapy eine unabhängige Plattform für das Medikations-Management chronisch Kranker. Sie haben sich die Pharma-Angebote genauer angesehen die unten eingefügte Infografik dazu veröffentlicht.

Als Software-Anbieter ist es natürlich interessant nachzuvollziehen, wie Entscheidungen von potentiellen Kunden getroffen werden, daher haben wir die Daten der Infografik mit unseren eigenen verglichen.

  • 59% der analysierten Apps wurden 0-1 Mal aktualisiert. Noom: 249 Mal.
  • 48% der Apps zeigen ausschließlich Inhalte der Herstellerfirma an und 82% der untersuchten Apps haben nur 1-2 Funktionen. Noom: Tagebuch, Farbampel, Inhalte, Gruppe, Gewichtsdiagramm, Taillendiagramm, Schrittzähler, Chronik, Sport eintragen, um nur einige zu nennen.
  • Was aber besonders erstaunlich war, ist die Tatsache, dass 95% der analysierten Apps für iOS Nutzer gemacht wurden, und nur 55% für Anwender von Android basierten Telefonen. Die Nutzerstatistik von Android in der gleichen Geographie ist aber umgekehrt, DE: 81% Android, 15% iOS, US: 52% Android, 42% iOS.
  • Die Top 10 Apps vereinen 66% der Installationen aller untersuchten Pharma Apps. Zum Vergleich: Noom allein hat in den untersuchten Geographien 3x so viele Installationen, wie die ersten 10 gerankten Apps zusammen.
  • Und zuletzt: 48% der besagten Apps haben keine Reviews. Ebenfalls zum Vergleich, Noom Android wurde von 156.000 einzelnen Menschen bewertet.

Wir freuen uns darauf, in der Diskussion oder per Email andere Aspekte, die die Entscheidung, selbst-machen vs. lizensieren beeinflussen, zu beleuchten.