Was ist Keto?!

Original: Maggie Hudspeth, RDN
Übersetzung: Marie-Luise Huber, MPH, MSc.

Wenn wir jedes Mal einen Euro bekommen würden, wenn uns jemand nach der ketogenen Ernährung fragt, würden wir auf unsere Privatinsel in Fidschi fliegen (na ja, nicht wirklich, aber wir können ja träumen). Dieser Ernährungsplan, auch als „Keto-Diät“ bekannt, erfreut sich im Laufe der Jahre immer größerer Beliebtheit und auch viele Prominente bevorzugen diesen Ernährungsstil. Daher ist es schwer das wachsende Phänomen zu ignorieren. Aber was beinhaltet die ketogene Diät wirklich? Wie funktioniert es? Ist sie sicher? Solltest du sie ausprobieren?

Die Geschichte

Lasst uns ein wenig in der Zeit zurückreisen…

Der Anfange geht auf die 20er Jahre zurück, als eine Gruppe von Ärzten Kinder mit epileptischen Anfällen untersucht. Sie begannen, die Verbindung zwischen Fasten und epileptischen Symptomen zu testen. Ein Ergebnis war, dass während der Hungerperioden die Anfälle weniger häufig und gleichzeitig kontrollierter waren. Im weiteren Verlauf der Studien dokumentierte Dr. Lennox von der Harvard Medical School, „dass die Kontrolle von Anfällen durch eine Veränderung des Körperstoffwechsels erfolgte und, dass das bloße Fehlen von Nahrung oder Kohlenhydrat-Mangel den Körper dazu zwang, säure-bildendes Fett zu verbrennen“. Die Ärzte stellten fest, dass „Aceton und Beta-Hydroxybuttersäure bei einem normalen Probanden durch Hunger oder eine Diät mit einem zu geringen Kohlenhydratanteil und einem zu hohen Fettanteil auftreten“. Vereinfacht gesagt, entdeckten sie den Fettverbrennungsprozess der Ketose und so wurde die ketogene Diät geboren. Mehr zur Ketose weiter unten.

In den 70er Jahren, als Antiepileptika eingeführt wurden, wurde die Diät immer seltener angewandt. Obwohl die Diät in den meisten Kinderkrankenhäusern immer noch bekannt ist, wird sie von den meisten Ärzten kaum bis gar nicht mehr empfohlen.

Die Fakten

Die allgemeinen Empfehlungen der ketogenen Diät sind heute noch gültig: 1g Protein pro Kilogramm Körpergewicht, 10-30g Kohlenhydrate pro Tag (dies ist häufig unterschiedlich), die restliche Energie soll durch Fett aufgenommen werden. Das bedeutet, dass die Mehrheit der täglichen Kalorien aus Fett stammt.

Der Hype

Wenn also die Diät nun für Kinder mit Epilepsie entwickelt wurde, warum ist sie nun so gehypt um abzunehmen?
Die meisten Menschen denken “Kohlenhydrate sind schlecht “(Danke Dr. Atkins…). Wenn es nun eine weitere kohlenhydratarmen Diät gibt, muss das wohl gut sein, oder?

Der hohe Fett- und niedrige Kohlenhydratgehalt führt zu einem niedrigen Blutzuckerspiegel. Da der Zucker aus Kohlenhydraten kommt, und Zucker die Hauptenergiequelle des Körpers ist, muss dann die Energie aus Fett gewonnen werden. Dafür werden Ketonkörper gebildet, auch bekannt als ketogener Prozess.

Nachdem jede Person individuelle Bedürfnisse in Bezug auf die Makronährstoffe hat, wissen sie eigentlich gar nicht wie wenig Kohlenhydrate sie zu sich nehmen. Sie befolgen viel zu gerne dem Prinzip dass ein Plan für alle passt. Dieser Plan wird auch oft als die “individuell angepasst ketogene Diät” bezeichnet, obwohl sie alles andere als “individuell angepasst” ist. Größe, Gewicht, Wunschgewicht, Alter, Geschlecht, und körperliche Aktivität müssen berücksichtigt werden, wenn ein Plan wirklich nach dem Prinzip der Ketose sein soll.

Ganz ehrlich: Die echte Ketose ist nur schwer zu erreichen. In Wirklichkeit erreichen die meisten Menschen die eine ketogene Diät machen, nie diesen Zustand.

Nun fragst du dich bestimmt, aber warum nehmen dann viele Menschen so erfolgreich damit ab?

Vor allem, weil sie verarbeitete Lebensmittel aus ihrem Speiseplan streichen…

Keto verlangt nach wenig Brot, Kräckern, salzigen Snacks, …Außerdem vermeiden die meisten “Keto- Sympathisanten” Getreide, Leguminosen, Obst, stärkehaltiges Gemüse, und Proteine auf pflanzlicher Basis.

Zudem, verursacht der hohe Fettgehalt dieser Diät ein längeres Sättigungsgefühl bei manchen Menschen, welches dann zu kleineren Portionen führt.

Die Kosten

Ganze Lebensmittelgruppen auszulassen ist nicht ohne Nebeneffekte. Nachdem viele Pläne Früchte komplett streichen, kann es dazu kommen, dass dein Körper nicht mit den wichtigen und darin enthaltenen Ballaststoffe und Antioxidantien versorgt wird.

Obwohl die Keto Diät auf hochwertige Fette achtet, ist dieses zu viel an Fetten nicht unbedingt etwas Gutes. Einige Studien haben gezeigt, dass dieses Verhalten zu einem erhöhten Cholesterinspiegel führen kann. Andere unerwünschte Nebeneffekt ist:

  • Verlust von Knochenmineralien
  • Nierensteinen
  • Geburtsdefekten
  • Dehydrierung
  • Reizbarkeit
  • Verstopfung
  • Verminderte Schlafqualität

Zusammenfassung

Also, wie lautet das Fazit von Keto? Woher weißt du, ob es für dich richtig ist? Während diese Art des Essens für einen kurzen Zeitraum zur Gewichtsreduktion beitragen kann, ist es für die meisten Menschen schwierig diese langfristig aufrechtzuerhalten.

Wenn es um Gewichtsverlust geht, ist die Entwicklung nachhaltiger, gesunder Gewohnheiten der beste Ansatz – erprobt und bestätigt.

Letztendlich ist es deine Entscheidung und du solltest immer deinen Arzt konsultieren, bevor du einen Ernährungsplan ausprobierst. Dann stellst du dir die Frage: „Wie schön wird mein Alltag ohne eine ganze Lebensmittelgruppe sein?“

Unser Fazit? Tut mir leid, Keto, wir werden kein Team. Wir würden einfach nie zusammenpassen. Wir mögen unseren Kuchen und essen ihn auch. Denn es geht ja um die Balance, richtig?